Als ich im November 2025 meinen letzten Beitrag geschrieben habe, war ich selbst überrascht, wie stabil mein Körper geworden war. 88 Tage ohne eine einzige Tablette – das hätte ich früher für unmöglich gehalten. Und ich dachte damals: „Jetzt ist die Umstellung abgeschlossen.“
Heute weiß ich: Ich lag falsch. Es ging weiter. Langsamer, leiser, aber weiter.
Ich bin nicht migränefrei. Das möchte ich auch gar nicht behaupten. Aber die Migräne, die ich heute habe, ist nicht mehr die Migräne von früher. Sie ist kein Monster mehr, das mich überfällt. Sie ist ein Hinweis. Ein Signal. Ein leiser Fingerzeig: „Pass auf dich auf. Übertreib es nicht. Hör auf deinen Körper.“
Und das ist okay. Ich bin fast froh, dass sie gelegentlich vorbeischaut. Sie erinnert mich daran, wie weit ich gekommen bin.
Seit Juni 2025 nehme ich zweimal täglich L‑Acetyl‑Carnitin. Ob es der entscheidende Baustein war? Vielleicht. Vielleicht auch nur ein Teil des Puzzles. Vielleicht war es die Summe aus Ernährung, Bewegung, Schlaf, Mikronährstoffen, Stressabbau und Geduld. Vielleicht war es einfach Zeit.
Was ich sicher weiß:
- September 2025: Zwei leichte Migränetage, keine Medikamente
- Oktober: Ein einziger Tag, zwei Stunden, ohne Medikamente
- November: ein Triptan nach 88 Tagen ohne
- 2026 bisher: vier Tabletten in vier Monaten
Das ist nicht „geheilt“. Aber es ist ein Leben, das ich früher nicht kannte.
Ich habe gelernt, dass echte Veränderung Zeit braucht. Viel mehr Zeit, als ich dachte. Der Körper regeneriert sich nicht in Wochen. Nicht in Monaten. Manchmal nicht einmal in einem Jahr. Aber er regeneriert sich – wenn man ihm die Chance gibt.
Und ich habe gelernt, dass Migräne oft nur das Symptom ist. Die Ursache liegt tiefer: Stoffwechsel, Entzündung, Lebensstil, Stress, Schlaf, Ernährung. All das spielt zusammen. All das beeinflusst, wie wir funktionieren.
Ich schreibe das hier nicht, um mich zu feiern. Ich schreibe es, weil ich weiß, wie verzweifelt man sein kann. Wie hoffnungslos. Wie allein.
Ich schreibe es, weil ich damals niemanden hatte, der mir sagte: „Es kann besser werden. Nicht über Nacht. Aber es kann.“ Die Ärzte haben rumprobiert, vielleicht hilft ein Betablocker, vielleicht ein Psychopharmaka, vielleicht …. – nur leider half das alles nichts, es verursachte nur Nebenwirkungen.
Ich werde wieder öfter schreiben. Nicht regelmäßig. Nicht unter Druck. Sondern dann, wenn ich etwas zu sagen habe. Ehrlich. Unverblümt. Ohne Versprechen. Nur aus Erfahrung.
Ich bin nicht migränefrei. Aber ich bin frei von der Migräne, die mein Leben bestimmt hat. Und wenn meine Worte jemandem Mut machen, Orientierung geben oder einfach das Gefühl vermitteln, nicht allein zu sein, dann hat sich alles gelohnt.